Schluckstörung

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Schluckstörung   


Schluckstörung

 

Als Schluckstörung bezeichnet man im Allgemeinen die Beeinträchtigung des Schluckvorgangs, bei der eine adäquate Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr nicht mehr sichergestellt ist. 

 

Das Schluckvermögen hat für uns Menschen eine Vielzahl an Bedeutungen. Eine Schluckstörung hat beim Menschen eine Auswirkung auf die Bereiche: Physiologie, Soziologie und Psychologie. Die physiologische Komponente beschreibt Zusammenhänge der Lebensgrundlage (Energie, Wasseraufnahme) mit der daraus resultierenden Befriedigung von Hunger und Durst. Die soziale Komponente umfasst die Abwechslung und Kommunikation, sowie das Gemeinschaftserlebnis, welches mit dem Essen verbunden wird. Bei der psychischen Komponente geht es um den Genuss, die Freude und der damit verbundenen Lebensqualität. 

 

Das Schlucken ist ein hoch komplexer Vorgang: 

  • 1.500 - 2000 Schluckvorgänge am Tag, bewusst oder unbewusst durchgeführt 
  • Es sind 25 Muskelgruppen, 5 Hirnnerven sowie das Kiefergelenk und die Zähne beteiligt. 

 



Phasen Schluckvorgang 


Präorale Phas
e (Vorbereitungsphase) 

Die präorale Phase kann am Besten mit der Aussage  "Mir läuft das Wasser im Mund zusammen" beschrieben werden. Die Aktivierung des Hirnstamms wird als erstes durch das unbestimmte Gefühl des Hungers/ Appetit ausgelöst. Mit den Augen, der Nase und den Ohren, sowie der Erinnerung und Erfahrung konkretisieren wir unser Gefühl und führen es in eindeutige Wünsche über. 


Die orale Phase (Kauphase, Transportphase)

In der oralen Phase wird die Nahrung zugeführt, gekaut und damit eingespeichelt und im Mund gesammelt. Die Nahrung wird zu einem Bolus geformt und durch die Zungenbewegung gegen den oberen harten Gaumen gedrückt und nach hinten transportiert. Durch den Nahrungsdruck im hinteren Rachenraum wird der Schluckreflex ausgelöst. Das Gaumensegel verschließt den Nasenraum.


Die Pharyngeale Phase (Rachenphase)

In der pharyngealen Phase wird die Nahrung durch den Rachen in die Speiseröhre befördert. Der Kehldeckel verschließt den Zugang zur Luftröhre = Schutz der tieferen Atemwege/Lunge. Die Nahrung wird mittels peristaltischer Wellen durch die Speiseröhre in den Magen transportiert. 



Die Ösophageale Phase (Speiseröhrenphase)

Der Bolus wird durch den Rachen in die Speiseröhre befördert.Der Kehldeckel verschließt den Zugang zur Luftröhre = Schutz der tieferen Atemwege/Lunge. Die Nahrung wird mittels peristaltischer Wellen durch die Speiseröhre in den Magen transportiert 



Ursachen Schluckstörung 


Eine Schluckstörung kann aufgrund von unterschiedlichen Ursachen erfolgen. Einige Ursachen können kompensatorisch, d.h. durch eine Variation der Zubereitungsform behoben werden. Andere Ursachen einer Schluckstörung sind nur durch operative Eingriffe zu beheben. 


In der folgenden Aufzählung werden die mechanischen, neurologischen und psychischen Ursachen einer Schluckstörung in Form von Stichpunkten beschrieben.


Mechanische Ursachen einer Schluckstörung 

  • Tumorerkrankungen im Mund-Rachenbereich
  • Gewebedefekte
  • Entzündungen der Schluckorgane
  • lokale Verdrängungen bzw. Einengungen


Neurologische Ursachen einer Schluckstörung 

  • Durchblutungsstörungen im Gehirn
  • Schädel-Hirn-Verletzung
  • Erkrankungen der Schluckmuskeln 
  • Alzheimer-Demenz
  • Parkinson-Syndrom
  • Medikamenten-Nebenwirkungen

Psychische Ursachen einer Schluckstörung 

  • kein pathologischer Organbefund 
  • keine Hinweise auf Verschlucken 
  • typischerweise demonstratives Schlucken und Räuspern 
  • Verweigerung des Schluckens

Altersbedingte Ursachen einer Schluckstörung  

  • Geruchs- und Geschmackssinn lassen nach
  • unzureichende Speichelproduktion 
  • Muskelkraft sinkt und Schluckreflex verlangsamt
  • Begleiterscheinungen von Krankheiten
  • Nebenwirkung vieler Medikamente 
  • Fehlen von Zähnen oder Zahnproblem
  • schlecht angepasste Zahnprothese



Symptome einer Schluckstörung


Ein häufiges Verschlucken deutet auf eine Schluckstörung hin. Es kann sein, dass die Nahrung im Hals stecken bleibt oder das Nahrungsreste für einen längeren Zeitraum im Mundraum verbleiben, ohne das sie runtergeschluckt werden. Falls Speichel oder Getränke im Mundraum verbleiben, können diese aus dem Mund fließen, was auf eine Schluckstörung hinweist. Nach der Nahrungsaufnahme oder dem Trinken hustet der Betroffene und räuspert sich. Die Stimme ist häufig rau und klingt belegt. Dadurch, dass kleinste Nahrungsteile oder etwas Flüssigkeit in den oberen Teil der Lunge gelangt, reagiert der Körper mit latent erhöhter Temperatur auf die auftretenden Infekte. 

Als unspezifische Anzeichen gelten:  

  • latent erhöhte Temperatur, Lungenentzündung 
  • Bronchiale Infekte/Verschleimung
  • Schmerzen beim Schlucken / Kloßgefühl
  • Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Nahrungsverweigerung
  • Gewichtsverlust
  • Exsikkose


Folgen von Schluckstörungen 

Die Folgen von Schluckstörungen können sein 

  • Aspiration/ Aspirationspneumonie --> vitale Bedrohung     
  • ständige Angst sich zu verschlucken --> Verweigerung der Aufnahme 
  • Verringerte Flüssigkeitsaufnahme --> Dehydration, Austrocknung
  • Verringerte Energieaufnahme --> Gewichtsverlust, Eiweißmangel
  • Unwohlsein beim Essen --> Lebensqualität, soziale Folgen    

Die Folgen der Schluckstörung können einzeln auftreten oder aufeinander aufbauen. Als kausale Kette soll an dieser Stelle das Auftreten einer Dehydration auf Grundlage einer Schluckstörung dargestellt werden. 

Der Betroffene merkt, dass er Probleme bei der Schlucken von Flüssigkeiten hat. Er entwickelt ein latentes Angstgefühl. Daraus resultiert, dass er die Flüssigkeit zu lange im Mund behält und sie ihm nach einiger Zeit aus dem Mund läuft. Die Folge ist, dass er weniger zum Essen trinkt. Kommt nun eine fiebrige Erkrankung hinzu, die ihn ans Bett fesselt, führt das zur Dysbalance zwischen Bedarf und der Aufnahme. Daraus kann innerhalb von Tagen eine Dehydration entstehen, die klinisch relevant  wird. Vor allem in höheren Alter. 



Behandlung der Schluckstörung


Kausale Behandlung der Schluckstörung 

  • Prüfung der Schluckfunktion 
  • Sprach und Schlucktherapie
  • Medikation umstellen
  • geeigneten Zahnersatz


Kompensatorische Maßnahmen der Schluckstörung

Diätetik: Anbieten einer geeigneten Nahrungskonsistenz

  • feste Speisen  → pürieren
  • Flüssigkeiten  → andicken


Variiertes Handling bei Schluckstörungen 

  • Haltungsänderung beim Essen
  • geeignete Schlucktechniken erlernen
  • Verringerung der Angst vorm Schlucken
  • Anregung der Lust zum Essen
  • Hilfsmittel bei Schluckstörungen 
  • Becher mit Nasenkerbe
  • großlumige Trinkgefäße
  • diverse Ess- und Trinkhilfen



Die diätetische Maßnahmen sind 


Die diätetischen Maßnahmen bei einer Schluckstörung sind ausgewogene – abwechslungsreiche – wohlschmeckende Nahrung und Getränke anbieten. Täglich die Zubereitung der Speisen variieren.

 

  • Speisen verwenden, die bereits in kleinen Portionen viele Nährstoffe enthalten.
    (Bsp. Pürees und Breie, angereichert mit Vitaminen, Proteinen und Mineralstoffen)

  • sowohl tierische als auch pflanzliche Eiweiße verwenden
    (Bsp. Fleisch, Fisch, Eier, Milch und Gemüse)

  • Speisen mit Frucht- und Gemüsepürees ergänzen, zur Deckung von Vitaminen/ Mineralien

  •  auf ausreichende Flüssigkeitsversorgung achten (1 - 2 Liter am Tag) 
     (Wasser, Fruchtsäfte, Tees usw.)


Meiden sie Früchte und Gemüse mit Samen oder Kernen, die nicht entnommen werden können (z.B. Kiwis, Erdbeeren, usw.) und Nahrung, die im Mund zerbröselt (z.B. Brötchen). Sie erschweren ein gleichmäßiges Formen des Bolus. Meiden sie Süßigkeiten, sie erzeugen viel Speichel, der beim Schlucken in die Atemwege gelangen kann.


Konsistenz als zentrales Merkmal

Probleme bei fester Konsistenz

  • Zahn- bzw. Prothesenprobleme
  • Schwund der Kau-Muskulatur 


Probleme bei flüssiger Konsistenz 

  • breitere Verteilung im Rachen
  • im Mund schwer kontrollierbar 
  • schnellere Fließgeschwindigkeit 
  • verzögerter Schluckreflex 

 


 

Tipps Speisen reichen


Voraussetzungen für die Nahrungsgabe

  • Speichel schlucken muss gelingen !
  • Schluckreflex muss vorhanden sein !
  • Hustenstoß muss auslösbar und kräftig sein!
  • Wachheit und Aufmerksamkeit 


Vorbereitung

  • Zahnprothese muss gut sitzen !
  • Hörgerät kontrollieren !
  • Brille aufsetzen 
  • Auf korrekte Körperhaltung achten!

Angenehme Atmosphäre schaffen

  • gutes Klima, Lüften
  • kein Lärm, ablenkende Geräusche
  • Angst und Anspannung vermeiden
  • angenehme Gesellschaft

 

Selbstbestimmung fördern Resourcen nutzen Führen von Bewegungsabläufen – auch beim Essen

 

Tipps für das „Speisen reichen“

  • Abstand zwischen Mund und Essen: ca. 30 cm
  • geeignete Speisen und Konsistenz wählen
    (gleichmäßige Konsistenz ohne Klümpchen)
  • Speisen sehen, riechen, schmecken lassen,
    (um Speichelproduktion und Appetit anzuregen)
  • Zeit lassen für Kauen und (nach-) Schlucken

 

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